Mit Plattfieß, Stock un Bimmelbahn

Impressionen der diesjährigen Clubreise in den Harz

Es sollten einige jüngere Mitglieder und Freunde des CCW ab und an einen Blick in unsere Clubnachrichten werfen. Heut soll wieder einmal eindrucksvoll geschildert werden, dass ältere Narren auch mal jung waren, jüngere auch älter werden und sich dann bei uns im Club recht wohlfühlen. Wohlfühlen heißt Freunde haben, miteinander reden, lachen, feiern, geistig fit bleiben und miteinander Neues entdecken. Gemeint ist der visuelle und verbale Austausch mit Körperkontakt – und nicht nur noch per e-Mail.
2014_Clubreise_Harz01Bei jungen Menschen ist es ja derzeit „in“, virtuell, das heißt mittels PAD-Tablet und/oder Smartphone alles einzufangen, was sich auf der Welt bewegt und alles per Facebook nebst eigener Magenbeschwerden und Durchfallreport seinen digital verplattformten Mitmenschen zu posten. So gesehen auf unserer Harz-Reise mit Zwischenstopp in Hann. Münden. Vor dem historischen Rathaus mit Glockenspiel des Dr. Eisenbart (den gab es wirklich einmal) stand eine Familie mit Kindern. Papa mit Tablet, Mama mit Smartphon, Tochter mit Knopf im Ohr und High-Tech unter jungfräulichem T-Shirt un de Bub mi’m neuste Gameboy. Beim Alde ging nix mehr, die Sonn’ blend de Tablett-Scherm. Er schlich wie en Suchtkranke ibber de Platz, ums Rathaus eizufange. Die Mudder in rotweiße T-mobile-Leggins un Hardrock-Fummel hot am Smartphon (wahrscheins dem Sonderschullehrer vom Pimpf) erklärt, sie wär’n uff Bildungsreis’. Die Kinner musste Pipi un wollte Pommes, do rieft de Papa: „Scheiß Sonn, ebe is de Akku leer“ – bums, isses Glockespill zu End’. De Klaa hot nit virtuell, sondern real in die Hos gepinkelt, die Groß war verschwunne un hot en New-Yorker-Shop gesucht. Derweil saß unser Grupp an lange Biertisch, trank e paar Liter Neue un hun des Lied vom Dr. Eisenbart gesunge: „Widde widde witt bumbum“.
Interessiert fragte uns ein Teen unterschiedlichen Geschlechts, mit Zopf und buntem Irokesenhaarschnitt, ob’s den Song auch als RAP-Version gäb, der wär doch sowieso von Shakira. Do fällt selbst eme alde CCW’ler nix mehr ei! Ein Jagdhorn-Blasorchester blies uns zum Abschied noch den Hit: „Die Büchs is leer, die Wildsau lebt“ (oder so ähnlich) – und ab ging’s mit ca. 70 Kilo Doseworscht im Beipack zum nächsten Reiseziel: Hahnenklee im Harz. Bei Ankunft im Top-Hotel Ramada wiederholt die Feststellung: „Eine Busladung – drei Gruppen“. Die aane könne nit laafe, die annern kaa Koffer traache – un de Rest hot Dorscht. Do is en 70-jähriche Reiseleiter gefroocht, der se samt Bagage uffs Zimmer bringt un Tipps gibt, wie merr middem Schobbe in de aane Hand un ner Chipcard in de annern e Zimmerdier uffkrieht. Wann se dodobei noch ganz schnell uffs Häusje misse, steht de Reiseleider korz vorm ersde Herzinfakt – ehrlich ihr Leut! Aber zu seiner Freude bleibt die Gruppe in dieser Formation bis zu Abreise konstant, wann nix dodezwische kimmt!
Geplant waren auf dieser Reise Goslar, Quedlinburg, Wernigerode, der Brocken, Bad Harzburg, Einkehr beim Windbeutelkönig („Extra-Story“) – und Thale mit dem berühmten Hexentanzplatz. Zum Letzteren eine kleine Episode am Rande: Bus kommt an, unsere leicht betagten Damen steigen aus. Ein humoriger Kaffesachse begrüßt sie mit der Bemerkung:
„Ei verbipscht, nu gommt die Folgloregrubbe for des Hexendanz-Spegdogel. Dess transferier ich ooch schnelle nooch Heeme iieber mei Faceboooge“. Sein Smartphone besteht jetzt aus 72 Einzelteilen mittels Gehhilfe einer der Angesprochenen.
2014_Clubreise_Harz02In Wiesbaden haben wir die Thermine und in den Harzstädten gibt es die Bimmelbahnen. Traumhaft schöne historische Fachwerkstädte lassen sich so auf leichteste Weise erkunden. Unsere Gruppe genoss das voller Begeisterung, vor allem die Fußschwachen. Doch auch diese erkundeten später auf eigene Faust die Örtlichkeiten, vor allem die Gastronomie und die Bauernmärkte unter dem Motto: „Harzer Käs’ un Ahle Worscht, mache aach dem Lahme Dorscht. Fünf Schobbe hinnerher geschitt – du springst wie’n Hersch, des is de Hit“!
Ich hätt hier noch emol e Frooch an die jüngere CCW’ler: Kann merr aach ibber i-Pad den Geruch von aldem Fachwerk, Herschbrode, Kleeß un de Duft von hübsche Kellnerinne eifange? Wann des geht, appt mer doch grad emol die dralle Blonde mit dere Riesebrotworscht vom Gasthaus zur Butterhanne in Goslar ribber!
2014_Clubreise_Harz03Eine 16er-Gruppe unserer Städtekundler erkundete den Blocksberg mit der Brocken-Schmalspur-Dampfeisenbahn unter der Führung unseres Kameramanns Klaus Beck. Er braucht kaa i-Pad un kaa App, des is noch so en alde Depp, der nimmt de Fotoapperat in die Hand un knipst wie eh un jeh die Leit und’s Land. Der liebe Klaus möge entschuldigen, aber seine Filmabende alljährlich im November zeugen von handwerklicher Fotokunst in bester originaler Art. Er muss bei der Vorführung auch nicht mit dem Daumen über die Leinwand streichen, um unscharfe Apps und annern digitale neuje Kroom anzuzwitsche (für Laien = sichtbar machen). Eine andere Gruppe versuchte sich in Hahnenklee auf der größten deutschen Sommerrodelbahn am Bocksberg (827-m) und ein Teil wanderte später 15 km nach Goslar; das alles bei herrlichstem Spätsommerwetter.
Unsere Heimreise führte über Mühlhausen in Thüringen. Die Realität „vor der Wende – nach der Wende“ hinterließ tiefe Eindrücke. Fazit: Vieles super – doch muss da noch viel Bimbes (Helmut Kohl) für blühende Landschaften investiert werden. Nur Straßen und Autobahnen sind in einem besseren Zustand als bei uns. Auf so einer langen Busreise komme dem Ein- oder Anderen die bleedeste Gedanke, (is abber CCW-affin). Drei unserer lebenslustigen Witfrauen machten den Vorschlag, im nächsten Jahr nach Griechenland zu fahren – mit dem Fahrrad. De „Westend-Stein“ sah schon sei Flogge in Gefahr – un hot gefroocht, warum mim Fahrrad un nit mit sei’m neuje 4-Sterne-Bus? „Ei, seht die Aa, do stehe so vill naggische Adonisse in Athen uffem Grematorium (sie meinte wahrscheinlich Pantheon), außerdem Radfahren mecht stramme Schenkelcher un Wade, des liebe die Grieche un dene ihr Götter wie verrickt“. Do hot hinne de Dernbach-Klaus gerufe: „Dodofür bräuchte se nit nach Athen, stramme Haxe hädde se schunn länger, aach ohne Radfahrn – un in Bieberich gäb’s mehr Grieche als wie uff’m Olymp. Sie sollte en clubeichene Adonis nemme, im Komitee dehte joo genug erumhogge! Die wär’n wie aus Staa gemeißelt, un dene ihrn Scheff wär de Androsius Guntrumpulus, genannt auch „de Club-Herkules“. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an den Spruch: „Gegen Schönheit kämpfen Götter selbst vergebens“. Die illustre Gesellschaft hat sich dann aber fürs nächstes Reiseziel Lago Magiore (Italien) entschieden. Los gehen soll es vom 28. September bis zum 04. Oktober nächsten Jahres. Es Stückert-Rosi hot gemeent: „Prima, do gibt’s aach stramme Borsche, sogar in meine Größ’“.

2014_Clubreise_Harz04Wir waren noch nicht in Wiesbaden, da war schon ein 4-Sterne-Hotel mit Halbpension reserviert (Aufforderung zur Anmeldung kommt mit den nächsten Clubnachrichten). Zum Schluss erinnerte die Reiseleitung noch einmal an den traditionellen Filmabend des Schelmenrats am 24. November diesen Jahres in der Gaststätte Taunusblick am Freudenberg (Beginn: 17.30 Uhr – erreichbar mit Buslinie 23).
Wir freuen uns aufs Wiedersehen – Euer Gerd Boschmann