Schelmenrat „on tour“ nach Bad Hersfeld 2014

Zugegeben, die CCW-Schelme sind naturgemäß meist alles „alde Krüstjer“, resultierend daraus – oder umgekehrt – altgediente, ehrenvolle Narren des Clubs zu sein. Also, es ist eine besondere Auszeichnung, die man im Dienste Gott Jokus über viele Jahre erdient hat. Sie verfügen nebst Treuegedanken für ihren Club in der Regel auch über Kenntnisse der hessischen Muttersprache. Bergriffe wie Breimaul, Brillegogges, Halbhern, Simbel, Hippefickes, Kreckser, lennelahme Krawallgiggel usw. werden spontan von ihnen mit einem Begriff assoziiert: „Des is unser Komitee“. Leichte Schwächen zeigt diese Spezies aber bei geografischen Kenntnissen von ihrem Mutterland. Diese Erkenntnis erlangte der CCW-Reiseleiter auf der diesjährigen Tagesfahrt. Jedes Jahr ist diese Fahrt laut Statuten durchzuführen (i.Ü. nicht nur für CCW-Schelme, auch für Freunde des Clubs), um unser Ländche besser kennenzulernen und das Image des Clubs zu verbreiten.

So geschah es, dass der Reiseleiter kurz nach Abfahrt vom Hauptbahnhof zur mitternächtlichen Zeit um 10.00 Uhr morgens die Reiseroute mit seinen Sehenswürdigkeiten und die Bedeutung der Regionen mit einigen wenigen Worten erklären wollte. Bereits nach 20 Minuten erklang  der Protestruf: „Boschmann halts Maul, mir sin noch müd’. Nach angemessener Schnarchpause und dem Weckruf: „Mir habbe aach Getränke an Bord: Bier, Sekt un Wei – alles billich“, brachte der Reiseleiter endlich sein Halbwissen bei seinen Opfern an. Es entstanden dabei Dialoge, die Eric Stein – dem Chef von Westend-Reisen – die Schweißperlen auf die Stirn trieben. Gerade wollte er etwas über Nassau/ Lahn zum Besten geben, ertönte laut der Ruf eines Heimatkundlers: „Doo warn mer letzt Johr mit de Delta Airlines“. Ein eben erwachter Dauerfahrgast ohne Hörgerät berichtigte den Zwischenrufer belehrend: „Du Hutsimbel, wäsch dir mol die Ohrn, der hot nit Nassau, sondern Dessau gesaaht, un des leit in Oberbayern!“ Abgesehen davon, dass der Bus gar nicht durch das Lahntal fuhr, sondern direkt die Richtung Gießen und Alsfeld ansteuerte, unternahm der Reiseleiter noch einmal den Versuch, unser schönes Hessen mit den vielen Naturparks wie Taunus, Vogelsberg, Rhön, Kill und den Seulingswald zu beschreiben. Jetzt werft mer joo in zunemmendem Alder schon emol ebbes dorschenanner. Beim Blick durch die Busscheiben kam den meisten doch die Erkenntnis, dass alles so schön grün sei, dass das hessische Bergland auch viel Wald hat, aber dass der Club noch nie eine Fahrt mit ihnen dahin gemacht hatte. 50 Prozent taten diese Meinung kund, die annern 60 Prozent warn widder am schloofe (bei Anmeldung is de Bus immer mit 110 Prozent besetzt). Prompt kam das Veto des Busfahrers: „Junge Frau – sagte er zu einer etwa 73-jährigen Gummibärin – ich hun Ihne doch noch letzt Johr ihr Eikaafsdasch vier Stunne dorsch Alsfeld geschleppt, oder war des Ihr älder Schwester?“ Sie entgegnete: „Des kann nit sei, wann soll dann des gewese sei, do war ich doch mit meim Schambes in Indie. 8 Daach mit Westend, 5 Sterne Hotel direkt am Erie-See!“  Nach einem Anruf bei unserm Clubpräsidenten, der alle Daten immer exakt im Kopf hat, kam die Erklärung. Zu dieser Zeit war der Club lt. Smartfon in Innichen – mit Zwischestopp am Eder-See. Der lieht zwar nit in Südtirol, aber auch der Busfahrer konnte diesen Umweg schnell erklären: „Do wars Tanke billicher“.  Bei solchen Dialogen wird so eine Tagesfahrt zur Bildungsreise und sehr kurzweilig für alle, bis auf den Busfahrer.

Nach Ankunft am Zwischenziel wurden die neuen Erkenntnisse an einer Schlachtfest-Tafel vertieft. Besondere Aufmerksamkeit nahm ein großes Dippe auf dem Buffet in Anspruch. Der Inhalt sah aus wie eine Mischung aus Labskaus, Erbsesubb un Schappi in Kitekat. Der Duft aus diesem Topf war allerdings himmlisch, wie Götterspeise aus dem Garten Eden –wunderbar und teuflisch aromatisch.  Eine oberhessische Spezialität, genannt Weckewerk.

Nachdem die Wirtin drei bis fünf Mal nachgefüllt hatte, zudem Ahle Worscht, Wellflaasch, Kraut, Hackepeter un Hackbällcher erschreckenden Schwund zeigten, hot sich de Westend-Chef – nach Einnahme seiner Herzdrobbe – die Reste vom Buffet inpacke losse. Unser allseits erfahrender Altpräsident (Dubberdosespezialist) erklärte ihm noch: Loss de Deggel uff, die Brieh werd sonst sauer. Beim Einsteiche in de Bus hot de Fahrer prompt die Hälft verschitt, aber es hot noch gut geroche!

Eigentliches Fahrziel war aber die Festspielstadt Bad Hersfeld. Diese Stadt ist ein Augenschmaus für alle Fachwerkliebhaber. Kaum eine hessische Kleinstadt weist so eine Vielfalt an Historie auf. Auch die perfekte Anpassung moderner Ladengeschäfte in die Bauwerke des späten Mittelalters ist einmalig gut gelungen. So genossen unsere 40 Mitreisenden den Aufenthalt mit Foto- und Stadtbummel, sowie Cafebesuchen bei herrlichem Wetter in den Außenanlagen. Gerne wäre die Gruppe länger geblieben, aber das abendliche Fußballspiel (Bayern München gegen Real Madrid) rief zur baldigen Heimreise. Nach dem mageren Ergebnis kam später die Erkenntnis, dass der Tag in Hessen erfolgreicher als der für die Bayern war! Ach ja, auf der Heimfahrt verriet der Reiseleiter noch das Rezept vom Weckewerk. Hier für alle Hobbyköche noch einmal zum Nachkochen:

Man zerstückele eine Sau in alle Weichteile und schneide den frischen Speck großzügig ab.

Jetzt die Stücker dorsch de Wolf drehe. Zwibbel mit geräuchertem fette Speck in de Pann auslosse. Uffbasse, nit schwarz wern losse! Jetz’ Salz, Peffer, Knobbelaach, gemahlene Kimmel un Weckmehl mit dere dorschgedrehde Sau vermische un ab in die Zwibbel- un Speckpann. Des Ganze gar brode – un am Schluss mit Thymian un Majoran odder Bohnekraut abschmecke. Dodobei basst Kraut mit Quellmänner odder Bauernbrot – Gude Hunger! Des wär’ doch eischendlich aach e’ Idee fürs CCW-Sommerfest nach dem Motto: „Aach Wutze wern ganz gern geseh` – beim Sommerfest des CCW, denn Weckewerk un Ahle Worscht, mache schlank und gebbe Dorscht!

Bis dahin beste Grüße – Euer Reiseleiter Gerd Boschmann

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